Donnerstag, 20. Dezember 2012

Das Jahr neigt sich dem Ende zu

Parco Sempione und der erste Schnee :-)
Es ist schon fast Weihnachten und ich blicke zurück auf 3,5 Monate Mailand. Als ich mir meine Fotoalben von Erasmus letztens angeschaut habe, ist mir aufgefallen, was ich hier alles schon tolles erleben konnte. Ja der erste Monat war auch hart mit den ganzen Sorgen und Problemen, aber nach dem Wohnheimwechsel hat sich alles geändert. Die Zeit bisher hat sich volll gelohnt. Der Dezember war dennoch anders, als die anderen Monate. Pünktlich zum 1. Advent kam in Deutschland der Schnee und mir wars hier mit 15 Grad + immer noch zu warm für diese Zeit und es kam einfach kein Gefühl auf, dass Dezember ist. Ich hab es nur daran gemerkt, dass ich echt nur diese blöden Bücher am lesen und mich am vorbereiten war für die erste Mündliche am 17.12. Aber dann, kurz vorm 2. Advent kam der Schnee und plötzlich die Kälte. Natürlich ging es tagsüber nie wirklich unter Null, auch weil es viel Sonne gab, was es viel angenehmer machte. Ich habe dann auch die Möglichkeit des ersten Schnees genutzt, um raus zu gehen und den Weihnachtsmarkt und den verschneiten Parco Sempione zu besuchen. Es war wie Heimat. Es gab dann noch Anfang Dezember eine Kunsthandwerkermesse, die sehr berühmt ist. Ich war den ganzen Tag dort mit einem Italiener unterwegs. Es gab Spezialitäten aus allen Ländern und Deutschland war vertreten mit blau-weißen Fahnen (ganz Deutschland ist Bayern hahaha), es gab bayrische Livemusik, Brezeln, Sauerkraut usw. Ich hab trotz des Bayernbezugs echt Heimweh bekommen, das erste Mal. Dieser Tag war wie eine Reise rund um die Welt, überall andere Gerüche, anderes Essen und Trinken und andere Musik. Es war klasse.












Außerdem hab ich an einem Dezemberwochenende die italienischen Mädels besucht, die in Marburg Erasmus waren. Es war ein großes Wiedersehen in VERONA. Es gab dort einen deutschen Weihnachtsmarkt und alles war auf deutsch; hab Glühwein getrunken :-) Es war schweinekalt. Perfekt für sowas.Auch dort kam Heimweh auf.
Den Dezember hab bis auf diese wenigen Ausnahmen komplett hinter den Büchern verbracht und das Lesen und Lernen hat sich dann voll ausgezahlt, da ich ne 1 in meiner Archäologieprüfung gemacht hab. Hier gibts ein anderes Notensystem. 30 Punkte ist das Beste und 18 muss man haben um zu bestehen. Und mit 28 bin ich mega zufrieden :-) Italienisch hab ich dann auch mit ner 2 bestanden. Also alles super bisher. Es folgen noch 2 Prüfungen, je eine im Januar und eine im Februar.
Heute ist der Tag vor meinem Abflug nach Deutschland. Und ich frage mich so viele Dinge:
Wie wird es sein? Wird es schön? Wird es verrückt? Sprachlich? Gefällt mir Marburg nun besser oder gar nimmer; ist es nun zu klein??Was wird mir sofort auffallen? Was werde ich vermisst haben, ohne es zu merken?Was werde ich sofort zu schätzen wissen??

Ich war jetzt 3,5 Monate hier und hab mich schon irgendwie daheim gefühlt. Und ich finds auch normal, alles auf italienisch zu sehen und zu hören, ob es die Werbung ist, die Dialoge um mich herum. Ich hab mich eingelebt. Jedoch: Durch den Flug in die Heimat "realisiere" ich, dass ich wirklich hier bin/war, denn es ist komisch, es wird doch vieles einfach Alltag und man vergisst es manchmal.
Es wird spannend zu erfahren, wie es sein wird, ohne momentanen Wohnsitz in Deutschland  und Gast im Heimatland zu sein. Ich werde 11 Tage in der Heimat sein und ich freue mich wahnsinnig auf die Menschen :* Ich bin sehr gespannt, ob ich mich auch verändert habe oder ob ich noch die gleiche Person bin, die aus dem Flugzeug steigt. Aber eins wird sich ändern: Ich werde auf italienisch fluchen! Denn das hab ich hier recht schnell gelernt.
Ciao Italia!! Ci vediamo in gennaio. Baci









 Hauptbahnhof

November

Im November wurde es bei uns dann auch mal endlich Herbst, die Bäume wurden bunt, es regnete sehr viel. Es war jedoch ein verdammt kurzer Herbst, aber ich hatte ja einen verlängerten Sommer :-) Im November, hab ich (wie man in dem vorherigen Bloggeintrag lesen konnte) die Toskana und Cinque Terre besucht.Wundervoll.
Leider begann dann auch mal so langsam zumindest die Prüfungszeit. Das bedeutet für meine Italienischklausur lernen und dann nebenbei noch drei Bücher auf italienisch lesen für die erste mündliche Prüfung in Archäologie Ende Dezember. Das hat mich schon etwas herausgefordert. Im November gab es dennoch viel Freizeit, um die Zeit mit den Menschen hier zu verbringen, einen Geburtstag ordentlich zu feiern und den regelmäßigen Aperitivo zu genießen.
Eine grundlegende Erfahrung bezüglich italienischer Männer hab ich gemacht. Generell ist MIR zumindest aufgefallen, dass es wirklich stimmt und sie verrückt sind nach Bionde  (Blondinen) und dass sie doch irgendwie anders sind, als unsere deutschen Männer. Es interessiert sie nicht die Bohne, wenn man sagt, man hat einen Freund in Deutschland. Man bekommt erklärt: "Ja aber der ist doch dort und nicht hier. Du denkst zuviel nach!" Das hat mich meist echt genervt, muss ich zugeben. Es ist schön, dass sie einem zeigen, dass sie wirklich Interesse haben, sie sind aufmerksam, melden sich und schreiben nette Dinge. Ach ja: die Komplimente. Darin sind Italiener klasse :-) Im Umwerben könnten sich die deutschen Männer mal ein Scheibchen abschneiden. Frechgrins. Allerdings kann es auch ordentlich nerven, wenn man von einem Typ, den man auf ner Party kennengelernt hat, täglich 20 Herzen bei Facebook geschickt bekommt. Aber ich bin hart geblieben. Auch die Einladungen zum Essen wurden erfolgreich ignoriert. Also: Ignorieren und Nein sagen ist hier die beste Medizin. (Wobei ich mindestens 5-10 Mal bei einer Person nein gesagt habe). Und hier die Bilder:

Herbst :)

Nico und ich Nähe Colonne